Schankwirt

Entstehung 
Da der Mensch schon seit alters her arbeiten mußte, was ihm sicher damals wie heute nicht sehr gefiel, war eine Ablenkung und Erholung immer sehr willkommen. Schon die Sumerer brauten Ende des 4. Jahrtausends v.Chr. in Mesopotamien dunkles und helles Bier, wie Keilschrifttafeln belegen. Daß Honig, Zimt und andere Gewürze dem Bier Geschmack geben sollten läßt erahnen, dieser Trunk hatte mit unserem Bier nicht viel gemein. Schon unter König Hammurapi (2067-2025 v.Chr) wurden vier Paragraphen bezüglich des Brau- und Gaststättenwesens erlassen. Darin taucht erstmals schriftlich, wenn auch weiblich der Beruf des Schankwirt auf.Die Ägypter standen den Sumerern im Brauen nicht nach, wobei das Brauen von den Bäckereien verrichtet wurde. Das flüssige Brot war recht lange haltbar und wurde in Tongefäßen ähnlich dem heutigen Flaschenbier verkauft.
Bei den Griechen wurde nicht nur Wein getrunken sondern auch Bier, wenn auch Herodot (490-425v.Chr.) das Getränk als Gerstenwein bezeichnet. Doch während Griechen und Römer lieber dem Wein zugetan waren, überließen sie den Galliern und Germanen gern das BIERTRINKEN. Die alten Germanen verwandten zum Brauen einen Aufguß von Gerste oder Korn, laut Tacitus (55-120 n.Chr.) seiner „Germania“.
Auch die Kelten tranken Bier, obgleich sie es „cervisius“ nannten. Es war nicht so wertvoll wie Met, der ja aus dem seltenen Honig gebraut wurde , oder wie der Wein aber dafür konnte es sich jeder leisten. Das änderte sich auch nicht im Mittelalter, denn nur der Adel konnte sich Wein leisten, während die Bürger einer Stadt, Bauern und Mönche dem Bier den Vorzug gaben.Bald braute jeder Haushalt und bot überschüssiges Bier Gästen feil. Da es aber mit der Qualität des dargebotenen Gesöffs nicht immer zum Besten stand (denn als Bestandteile des Biers wurden auch häufig Gewürze zur Überdeckung eines grausigen Geschmacks verwandt oder Harz und Ungeferck um es haltbarer zu machen) und ein schwerer Kopf neben argen Durchfällen oder Magenkrämpfen noch das geringste Übel war, erließ man Braugesetze, sogen. Reinheitsgebote. In diesen war fest geschrieben aus welchen Grundstoffen Bier zu brauen wäre und was bei Nichteinhaltung zu geschehen hätte. Häufig legten die Städte solche Gebote fest, die jedoch auch auf Erlaß eines Landesherrn ergingen.



Tätigkeit 

Der Schankwirt braute und bewirtete Gäste mit nahrhaften und berauschenden Getränken aller Art. Natürlich wollte der Wirt auch die Übersicht halten, wenn er jedem etwas zu trinken brachte. War die Schenke voll, so konnte er leicht die Übersicht verlieren und nach jedem Getränk abzurechnen machte den Eindruck als traute man dem Gast nicht recht über den Weg. Die Lösung aus dieser Misere war das Kerbholz. Ähnlich dem heutigen Bierdeckel kennzeichnete der Wirt ein Getränk eines Gastes. Allerdings wurde an Stelle eines Strichs auf dem Deckel, eine Kerbe in ein Holz gemacht, welches jeder Gast vom Wirt bekam. Dieses Holz hatte der Gast wie seinen Augapfel zu hüten bis er die Zeche bezahlte und der Wirt das Holz zurücknahm. Wer in seiner Stammgaststätte schon mal seinen „Deckel“ verloren hat kann sich vorstellen, was dem Gast beim Verlust seines Kerbholzes blühte.
Natürlich geriet auch so manches Zechgelage außer Kontrolle und damit einem jeden Recht widerfährt gab es auch eindeutige Anweisungen (Wirtshausregeln u. Gesetze) wie sich Gast und Wirt zu verhalten hätten. Ein Beispiel hierfür bieten die „Statuta thaberna“ von 1434 aus Weissensee. (Auszüge folgen)


Die Schaffung von Bierbannmeilen um die Städte trugen dazu bei, daß Konkurrenz verhindert wurde. Das hieß, wenn man nicht Bier für sich gebraut oder für seine Stadt erworben hatte, durfte man es nicht innerhalb einer bestimmten Entfernung ausschenken oder verkaufen.
Mit der Biersteuer, die auf das Bier erhoben wurde hatte man die wichtigste Staatssteuer im Mittelalter geschaffen.
Als beste Biere galten im späten Mittelalter die norddeutschen Biere z.B. Einbecker. Diese Biere konnten auch über größere Strecken transportiert werden ohne Schaden zu nehmen.


Gesellsch. Stellung 

Eigentlich  hatten alle ehrbaren Bürger einer deutschen Stadt die Grundbesitz besaßen und steuerpflichtig waren im Mittelalter Braurecht.
Bierrufer riefen das Bier aus, die Namen der Taverne, des Braumeisters, sowie den Preis und die Menge. Ein Stock mit seinem Zeichen steckte der Braumeister oder Schenk an seine Tür um dem Zecher den Weg zu weisen. Die Tätigkeit des Schankwirtes galt als unehrliches Handwerk. Er stand häufig im Ruf schlechtes Bier zu zapfen, daß er gestreckt oder manipuliert hatte (auch verdorbenes Bier wurde häufig noch verkauft). Außerdem legte man ihm zur Last aus kleineren Gefäßen zu schenken oder den Becher nicht voll genug zu machen...usw.
Ein Mundschenk hingegen galt als vornehmes Amt. Er sorgte anfänglich für die Getränke (Weine...) seines Herrn, wurde als Ministerialsamt aber bald unabhängig von dieser Tätigkeit und trug nur noch die Bezeichnung.
Für den Tavernenbesitzer stellte sich sein Ansehen in der Bevölkerung schon ganz anders dar. Er mußte nicht unbedingt in seiner Tavere ausschenken, sondern konnte Schenken lassen. So konnte sich bei gutem Umsatz sein investiertes Geld vermehren, ohne daß er selbst in die Verlegenheit kam sich als Schankwirt zu verdingen.



Handwerksprüche 

" ... wenn einer zuviel auf dem Kerbholz hatte.... "
  Gleichbedeutend, daß man kein unbeschriebenes Blatt ist...., keine reine Weste hatte.